Tag 3 "Land of Blondes"


Kopenhagen - Helsingjör - Helsingborg (SWE) - Ängelholm - Vejbystrand - Bostad


"Sleep cheap and luxurious" - der Slogan des CabInn Kopenhagen stimmt zumindest nur zum Teil. Ich wache ziemlich fertig auf - 7 Uhr sagt mein Handy, viel zu früh - aber ich bin klitschnass. Hier oben, runde 30 cm von der Decke entfernt, steht die Luft, obwohl wir den Balkon offen haben und deshalb eigentlich genug frische Luft im Raum zirkulieren müsste.
Ich merke, wie ich die Bettdecke total zerknautscht weg geschoben habe und halbnackt in der Koje liege.
An erholsamen Schlaf war also nicht zu denken.
An luxuriösen Schlaf schon gar nicht.
Aber dafür war das Zimmer mit 100 € tatsächlich billig. Für dänische Verhältnisse.

Jan unter mir schnarcht noch genüsslich vor sich hin. Ich liege da, mit offenen Augen, versuche noch einmal weg zu dämmern, was mir schließlich auch gelingt. Aber nicht, weil ich müde bin, sondern weil mich diese sauerstoffarme Luft hier oben gleichsam betäubt.
Ich fiebere der 8 auf dem Handydisplay entgegen. Endlich aufstehen. Endlich frühstücken. Raus aus dieser Sardinenbüchse.

Als mein Mobiltelefon grünes Aufstehlicht gibt, klettere ich die Leiter hinab, strecke die nun vollends verspannten Glieder und versuche, Jan zu wecken. Der hat - das sehe ich mit Erstaunen - seine Decke auch total zerknüllt, ist schweißgebadet und sieht als er aufwacht wesentlich mehr durch den Wind aus, als sonst.
Auch er beklagt die schlechte Luft und die Hitze im Zimmer.

Vielleicht - so meine Theorie - ist dieser Plastikstall besonders hitzedämmend und lässt nix hinaus.

Ich beeile mich auf Toilette, lasse Jan Zeit und stürme wieder hinab in den Frühstücksraum. Heißer Kaffee, das steht mal fest, ist ein Muss für mich. Ohne ihn bin ich morgens verloren.
Und heißen Kaffee gibt es zu Hauf. Das Büfett hingegen ist ein Witz. Finde ich.
Massenabfertigung, wie alles in diesem Hotel.
Ab und zu kommt ein kahlrasierter Hühne, die dänische Ausgabe des Meister Proper, füllt mit vollen Händen einen der beiden Behälter für Wurst auf, legt zwei, drei Granny Smiths nach und schaut in die Saftbehälter. Alles hier wirkt billig. Schmeckt billig. Macht keinen Spaß.

CabInn? Zum Übernachten und wieder fahren okay. Zum Längerbleiben - niemals!

Wir füllen noch unsere Trinkflaschen auf, checken aus und dampfen ab. Der - einzige Lichtblick des Hotels - freundliche Mann am Counter verrät uns, dass hinter dem Hauptbahnhof ein Fahrradladen sei, den wir ja brauchen, denn Jan möchte seine alten Pneus, die schon zwei Splitter zum Schlauchen haben durchkommen lassen, gegen nagelneue eintauschen.

Zehn Minuten später haben wir den Laden gefunden. Jan kauft die Mäntel. Und unter den staunenden Augen einer dänisch-südländischen Bahnhofsgang demontieren wir eins nach dem anderen seine Räder, spannen die neuen Mäntel auf und nachdem er sie unten im Laden hat aufpumpen lassen, wieder ein. Eine halbe Stunde später glänzen zwei wunderschöne Schwalbe-Reifen auf den Campagnolo-Felgen und wir können endlich los.

Schweden ruft.

Mittlerweile ist es halb 10 und der Himmel hängt abwechslungsreich voller einzelner Quellwolken, die aber weiß und unschuldig aussehen wie dicke Bräute. Kein Grund zur Beunruhigung. Zu meiner Freude weht auch immer noch der extrastarke Rückenwind, der uns von Hamburg bis hier her in nur 2 Etappen katapultiert hatte.
Auch heute soll uns dieser Wind den Extraschub liefern.

Wir setzen auf und fahren zunächst wieder Richtung Wasser. In meinem Faltplan steht, dass es eine Küstenstraße direkt am Wasser der Ostsee gibt, die bis hoch nach Helsingjör, unserem ersten Etappenziel für heute, führt. Dort wollen wir die Fähre nehmen und endlich Neuland betreten - Schweden, der Name, der noch immer für Kribbeln sorgt.
Das Land der Seen, der tiefen, grünen Wälder, der Elche und ... Abba. Jan stöhnt immer, wenn ich "The Winner takes it all" oder andere bekannte Melodien summe, aber das kann meine Laune nicht trüben. Seine auch nicht, Gottseidank.

Das Wetter ist spitzenmäßig, zwar hat die Intensität des Windes zugenommen - mitunter fegen sehr heftige Böen über das Land, zerren sogar an meiner tiefen Speedmaschine, aber solange die Schübe von hinten kommen soll uns das nicht weiter stören.

Tatsächlich finden wir den Radweg, der wie immer in Dänemark von hervorragender Qualität ist. Zunächst führt er uns am betonbefestigten Ufer entlang, eine Promenade, die eine herrliche Sicht aufs kabbelige, frisch-kalte Wasser der See und eine Vielzahl vertäuter, weißer Traumyachten freigibt. Schon haben wir die Außenbezirke Kopenhagens erreicht. Anders, als noch gestern im Süden der Stadt, scheint hier im Norden eher die wohl situiertere Gegend zu sein: Prächtige Villen, mal klassisch dänisch, mal sehr modern geradinig, wechseln sich ab mit weitläufigen Grün- und Parkanlagen. Der Verkehr ist hier auch nicht so dicht - wahrscheinlich ist Kopenhagens Süden eher eine Arbeitersiedlung. Hier oben drängen sich mir sofort Vergleiche mit Hamburgs Blankenese auf.

Der Radweg macht einen Schlenker nach links - in den Wald. Weiterhin ganz gut ausgebaut, fahren wir nun auf einem schmalen asphaltierten Weg genau an der Bahntrasse entlang. Es geht mitunter sehr steil bergab - freilich nur weniger Dutzend Meter, dann wieder steil bergauf. Eine kleinteilige Achterbahnfahrt, die nur getrübt wird dadurch, dass die Strecke nicht sehr gut einsehbar ist und wir deshalb nicht schnell fahren können.
Auch stört der abrupte und kräftezehrende Wechsel des Streckenprofils, der uns nicht in einen runden Tritt kommen lässt. Wenn es mal rollt, ist hinter der nächsten Kurve schon wieder ein Anstieg, wir müssen sehr viele Schalt- und Bremsvorgänge koordinieren, was sehr viel Aufmerksamkeit verlangt und wir deshalb kaum Zeit haben, den ansonsten sehr schönen Wald zu genießen.

An einer der vielen Stationen der Bahnstrecke machen wir Halt und essen ein dänisches Falafel. Für 7 Euro das Stück. Wie gesagt: Die Preise hier haben es in sich! Und so essen wir das arabische Fast-Food auch wirklich bis zur letzten (ansonsten stets aussortierten) Zwiebel auf und machen uns wieder auf den Weg.
Nach einigen Kilometern bergauf-und-bergab haben wir die Nase voll und lenken unsere Gefährte wieder in Richtung Strand, wo wir den urprünglichen Küstenradweg wiederfinden.

Dank des heftig anschiebenden Windes haben wir dann auch schon bald Rungsted passiert und damit die Hälfte des Weges nach Helsingjör hinter uns gebracht. Rechts kann ich die Insel Ven ausmachen - und dahinter, zum Greifen nah, liegt schon Schweden.

Die Orte, die wir nun durchfahren, werden immer maritimer. Süße Holzhäuschen, Boote, die an Land liegen, Fischernetze und Anker künden von der Seetradition dieses Küstenstreifens. Pittureske Dörfchen reihen sich aneinander, manchmal befahren wir holpriges, dafür anscheinend geschichtsträchtiges Kopfsteinpflaster. Die Flaggen überschlagen sich im Wind - stehen steif vom Mast ab und zeigen uns die Richtung: Norden!

Da hinten schon kann ich Helsingjör erkennen - eine der Scandlines-Fähren stampft gerade durch die kabbelige See. Dahinter schimmert weiß Helsingborg, das schwedische Gegenstück.
Wir rollen schnellen Tritts am Terminal ein, lösen die Karten, die überraschend billig sind und finden uns in einer kleinen Schlange wartender Radfahrer wieder. Fast alles Pendler.
Zwei Dänen in Radmontur kommen zu uns und verwickeln mich in ein Gespräch über Vor- und Nachteile von Liegerädern. Die beiden scheinen interessiert - sind sie doch einem Minivan eines dänischen Radfahrteams entstiegen. Leider verhindert die Fähre, die nun zum Einsteigen bereit ist, ein weiteres Gespräch.
Wir rollen an Bord, stellen unsere Räder ab und bummeln an Deck herum - die Überfahrt soll nur 20 Minuten dauern.

Es ist windig - logisch - aber sonnig. Die See ist kabbelig, wirkt aber freudig. Fast scheint es, als habe unser freundlicher Radfahrwind seine Schwester, die Meeresströmung gebeten, uns auch zu helfen. Nun schiebt die See unser Schiff mit einigen Knoten mehr vom Land weg - das Fort Helsingjör verschwindet am Horizont.
Auch Jan, der sonst keine Fotos macht, scheint dem Zauber dieses kleinen Landstriches erlegen zu sein, und nutzt sein Apple-Wunderding zum Einfangen des Momentes.

Es sind diese kurzen Zeiten zwischen dem Fahren, da - zumindest bei mir - dieses wunderbare Gefühl totaler Erholung aufkommt. Ich bin einfach hier - jetzt und heute. Vergessen das, was ich zu Hause bin, all die Sorgen und Verantwortungen, all die Gedanken an die Arbeit und an Unerledigtes. Abgelegt. An Land gelassen, so scheint es.
Ich halte mein Gesicht in die Sonne, blinzle durch meine Lider und atme die herrliche Frische reiner Seeluft ein, blicke auf meinen Kameraden, mit dem ich das alles hier teilen kann und bin einfach nur froh.

Eine Durchsage weckt mich aus meinem süßen Tagtraum auf. Vorne am Bug ist das ferne Helsingborg zu einer ausgewachsenen Stadt angeschwollen - das Schiff verlangsamt schon seine Fahrt, wir werden aufgefordert, auf das Autodeck zu gehen und uns startklar zu machen.
Es ist früher Nachmittag, vielleicht 14 Uhr, als ich die Stahlrampe hinab rolle und meine Füße auf schwedischen Boden setze.

Erst einmal brauchen wir Kartenmaterial - und wie gelegen kommt es da, dass genau hinter dem Scandlines-Terminal eine Touristeninfo ist. Jan bewacht die Räder, ich gehe hinein. Und muss grinsen: Zwei hübsche blonde Damen begrüßen mich herzlich und fragen in perfektem Englisch (mit diesem süßen nordischen Akzent), wie sie mir helfen können.
Ich sage ihnen, dass wir mit Fahrrad nach Göteborg wollen.
Sie staunen und jauchzen anerkennend, eine reckt von hinten den Daumen hoch, die andere berührt meine Schulter und nimmt mich mit an den Ständer. Der voller Karten ist. Zielsicher sucht sie zwei heraus und gibt sie mir. Kostenlos.
Ein perfektes Lächeln mit großen blauen Augen, makellosen weißen Zähnen und einer blonden Mähne wie ein Sonnenaufgang steht mir gegenüber. Ich stammle etwas, bedanke mich und flüchte raus zu Jan.
Es wurde auch höchste Zeit.
Diese Radfahrklamotten sind sehr eng ...

Da ich einige dänische Kronen schon an Bord in die schwedischen umgetauscht habe, bin ich fürs Erste versorgt. Jan sucht nach einem Bankomaten, den wir schnell finden. Es scheint sich um eine Art Marktplatz zu handeln. Und während er seine PIN und den Betrag eingibt, kann ich die Zeit nutzen, mich etwas umzusehen.

Und was ich sehe, ist blond.
Hier und da. Blonde Frauen.
Meist in Zweiergruppen. Sie haben hier alle Schattierungen - von fast reinweißem Platin bis zu goldgelbem Strohblond. Ein Paradies für alle, die Frauen lieben. Ich kann es gar nicht fassen. Haben meine Augen die eine fixiert, läuft eine andere durch die Peripherie meines Sichtfeldes und zieht meine Blicke auf sich. Es wimmelt von blonden Frauen. Von blonden Mädchen. Unglaublich! Fast möchte ich Fotos machen - denn das glaubt mir eh keiner, denke ich.
Ja spornt mich zur Weiterfahrt an.
Nur widerwillig kann ich meinen Mund schließen und in die Pedale treten.
Und auch als wir wieder rollen - Blonde Mädchen wohin das Auge blickt!
Es ist unfassbar.
Ich schwärme. Jeder Meter eine Neue.
Mir gehen die Worte aus.
Irgendwann grinse ich nur noch.
Irgendwann lehne ich mich nur noch zurück und genieße.
Herrlich, diese Schwedinnen!

Laut Karte haben wir einen Kurs nach Odäkra in Richtung Ängelholm zu nehmen. Zunächst aber müssen wir uns eine recht anstrengende Steigung in Helsingborg emporächzen. Da es auf der Fähre frisch war und wir uns nicht mehr durch die Fahrbewegungen selbst geheizt hatten, waren wir noch in unsere langen Radjacken gehüllt. Oben angekommen, pellen wir uns erst einmal aus den Schweißfängern raus, trinken einige heftige Züge und suchen den Radweg. Ähnlich wie in Dänemark, sind auch hier die Radwege auf der Autofahrbahn, aber durch große Rinnsteine von ihnen getrennt. Sie sind sehr breit und von bester Qualität. So fahren wir im Tross nach Nord-Osten und können (peinlich!) einem McDonald´s-Schild nicht wiederstehen. Uns gelüstet nach Kaffee.

Diesmal ist es Jan, der in den Shop muss. Ich bleibe draußen in herrlichstem Sonnenwetter sitzen. Und weiter geht die Blondinenparade: Eins ums andere fahren die Autos am Drive-in vor. Am Steuer: Entweder ein vollbärtiger Schwede. Oder. Klaro: Süße Blondinen im Doppelpack. Es ist einfach unglaublich! Das ganze Land voller blonder schöner Frauen. Und scheinbar immer von den (nicht ganz so schnieke aussehenden) Kerlen getrennt.
Traumhaft?!?

Wir philosophieren beim Kaffee und ergehen uns in Planspielen bezüglich Auswandern und Hierbleiben - aber es ist erst einmal die Straße, die uns ruft. Odäkra, das nächste Etappenziel wartet. Zunächst verlassen wir Helsingborg, das unter uns zurück bleibt - wir fahren auf einer Art Hochebene eine von Pappeln gesäumte, sich leicht durch die flache Landschaft kringelnde Straße entlang. Ein paar Autos überholen uns - und wie auch schon in Dänemark fällt der defensive, umsichtige Fahrstil auf. Niemand ist ungeduldig, hupt oder drängelt. Wir fühlen uns wohl. Obwohl - und es ist nur ein kleines Gefühl in meinem Bauch - Schweden scheint anders zu sein, einen anderen Rhythmus als Dänemark zu haben. Was genau das bedeutet, werde ich noch herausfinden.

Odäkra, nicht viel mehr als ein Vorort von Helsingborg, ist schnell erreicht. Mehrmals unter- und überqueren wir die E20, die Verlängerung unserer alt bekannten E47, die bis Göteborg (und weiter) führt, auf der Suche nach einem Radweg. Den finden wir dann auch, nachdem wir uns auf dem IKEA-Parkplatz herumgefragt haben. IKEA, das finde ich lustig, hat zumindest hier in Odäkra ein ungewohnt rot-weißes Logo.

Schließlich biegen wir nach einer weiteren Autobahnunterführung auf den Radweg ein und ... sind erstaunt. Zumindest dieses Exemplar scheint sich noch im Bau zu befinden: Verdichteter Split unter unseren Pneus, stellenweise gefährlich lose, ist alles, was der ansonsten schon komplett ausgeschilderte Radweg - bis Göteborg, laut Schilder! - zu bieten hat. Wir weichen bei der nächsten Gelegenheit aus und suchen uns eine ruhige Landstraße, die wir bald finden.

Irgendwann, wir fahren wieder fast eine Stunde, wechselt die Landschaft vom satten Grün, das eigentlich auch nicht viel anders als drüben in Dänemark aussah, in eine Landschaft, die mich an meine brandenburgische Heimat erinnert. Es fängt an, Gelb zu dominieren. Nicht nur, weil hier nun vorrangig Getreide angebaut wird, auch, weil die schwedischen Häuser - logisch - nicht mehr rot, sondern gelb angestrichen sind.

Irgendwann erreichen wir Ängelholm, die erste größere Stadt nach Helsingborg. Um in die Stadt zu kommen, müssen wir auf allerlei Umwegen zu Radwegen umgebaute Landstraßen benutzen, die mal auf Deichen, mal durch Wäldchen und mal direkt an der E-Straße entlang führen.

Streckenweise fahren wir auch die E-Straße selbst. Das ist kein Problem, denn sie bietet einen ausreichend großen Seitenstreifen, ist aber sehr stark befahren, was es dann eher zu schweigsamen Gewaltritten werden lässt, bei denen wir versuchen, so effizient und schnell wie möglich die Kilometer abzuspulen.
Dennoch kann ich diesen Paarfahrten hintereinander - meist fährt Jan vorn, sodass ich mit meinem Rückspiegel besser ausgestattet warnen kann bei Rückenverkehr - auch Positives abgewinnen. Die E-Straße ist nivelliert, sodass nur wenig Steigungen ein rundes Treten beeinträchtigen. Dadurch, dass wir wieder mit 32 bis 35 km/h vorankommen, kurbeln wir uns in eine regelrechte Radtrance, die umso stärker zu sein scheint, je fokussierter wir fahren. Sicher, Landschaft und Natur genießt es sich so kaum - aber das Erleben des Rades und des Körpers, das stumme Selbstanalysieren jeder Bewegung, das Spüren der Muskelstränge, der kleinen, stechenden aber wohltuenden Schmerzen kann so besser, da konzentrierter erfahren werden.

In Ängelholm angekommen - eine kleine Hafenstadt etwa 30 km nördlichen von Helsingborg - drehen wir ein paar Runden auf der Suche nach einem Restaurant. Hunger plagt unsere Mägen und so suchen wir nach einer netten Stelle zum Auffüllen der Reserven.
Wir passieren den Hafen, finden aber nichts.
Wir passieren die Fußgängerzone, werden aber wiederum nicht fündig.
Auf dem Marktplatz entdecken wir einen Imbiss mit der Aufschrift "Pasta to go" - was braucht ein Radfahrer mehr, als alles andere? Richtig: Bananen und Pasta. Letztere holen wir uns bei zwei - ja, richtig getippt - hübschen Blondinen, die Jan einen kleinen Crashkurs in Sachen englischer Saucenbezeichnungen und Rezepte geben. Ein wenig später setzen wir uns etwas abseits des bunten Treibens auf eine Bank und genießen unsere ansehnlichen Portionen.
Ich kaufe dann noch vier Bananen (für 1 € das Stück) und der Nachtisch ist perfekt.

Jan scheint mir, als ich zum Aufbruch dränge, da es nun schon Nachmittag wird und ich gern vor Einbruch der Dunkelheit an einem netten Ort sein möchte, etwas antriebslos. Unzufrieden irgendwie. Es ist sein Hintern, der schmerzt. Und obwohl er ihm heute einige Cremungen angediehen hatte, scheint ihm heute, am dritten Tag, das harte Bianchi endgültig den Elan zu rauben. Ich kann ihn verstehen - frage aber, ob er nicht doch noch ein paar Kilometer aushalten mag.

"Wieso?" fragt er. "Lass uns hier doch unseren freien Tag nehmen?!"
Wir hatten diese Idee schon einige Male durchgesprochen und ich finde sie eigentlich auch super: Da das Wetter anscheinend mitspielt, wollen wir den "Sicherheitstag", der eingeplant ist, falls wir wegen Regen einmal einen Tag festhängen, in einen Day-off, also Urlaubstag und Pause vom Radfahren nehmen. Die Idee ist, sich idealerweise eine Hütte an einem See zu mieten, den ganzen Tag in der Sauna abzuhängen und es sich einfach gut gehen zu lassen.
Soweit die Theorie.
Jan möchte den Tag am besten jetzt und hier in Ängelholm nehmen.
Ich bin dagegen.
Nicht, weil ich Ängelholm nicht mag. Jan rennt mit seinem iPhone herum auf der Suche nach einem offenen WLan, findet eins und berichtet, dass es 6 oder 7 Hotels, einige Pensionen und Bed&Breakfast hier geben würde. Zudem haben wir den Hafen mit den schicken Schiffen und eine ganz ordentliche Fußgängerzone schon gesehen.
Die Stadt selbst eignet sich bestimmt hervorragend für einen Day-off.

Was mich stört, sind die Kilometer. Es stehen gerade einmal 90 km auf meinem Display. Genug, findet Jan. Und ich bin geneigt, ihm zuzustimmen. Aber wie sähen dann die nächsten Tage aus? Ich rechne ihm vor - blieben wir jetzt hier, müssten wir in den verbleibenden 2 Tagen jeweils knapp 150 km fahren, um Göteborg zu erreichen. Mein Ziel jedoch sei es, mit jedem Tag die Etappendistanzen bis auf 90 km zu reduzieren. Jetzt, am Anfang, da wir noch Kraft haben und - anzunehmenderweise - eine einfache, weil wenig bergige Strecke zu fahren haben, wäre es da nicht logischer, mehr Kilometer zu reißen um dafür später weniger in anspruchsvollerem Terrain bewältigen zu müssen?
Er zweifelt.
Willigt aber ein.

Also wohin? Fragt er - immerhin steht die Sonne schon sehr tief und ich schaue auf die Karte. Da- nicht weit von Ängelholm entfernt, etwa 30 km von hier, liegt ein kleiner Ort namens Bostad. Jans iPhone meldet, dass es da sogar zwei Hotels gäbe, einen kleinen Hafen und eine - wie ich mir ausmale - malerische, weil kleine, Bucht mit kleinen Fischerbooten. Und Bostad, das merke ich an, liegt genau auf unserer Route nach Göteborg - lass uns doch noch diese lächerlichen 30 km machen, bitte ich ihn.
Er zieht eine Schnute.
Aber wir fahren los.

Wir verlassen das schöne Ängelholm, natürlich nicht ohne einige "Ohhhs" und "Ahhhs" ob der hübschen Damen - allerdings bemerke ich, dass meine Rosa-Blondinenbrille nicht mehr ganz so funktioniert, denn langsam nehme ich auch nicht-blonde und auch nicht-ganz-so-schlanke Frauen wahr. Die Hormone scheinen sich also beruhigt zu haben. Gut so! Bin ja kein Zuchtbulle ...

Hinter Ängelholm wartet erst einmal eine schöner Berg auf uns. Jan hat miese Laune. Er wäre am besten hier geblieben und er tut mir Leid, da er sich wirklich abzumühen scheint auf dem Rad. Der Berg tut seiner Laune natürlich nicht besonders gut, aber er reißt sich zusammen - und ich weiß, dass es eine gute Entscheidung war, doch noch loszufahren. 20 Kilometer, rede ich mir ein, schaffen wir noch locker. Allerdings - wenn ich diese Steigung hier sehe, bekomme ich langsam Zweifel.

Dann ruft er laut "Scheiße!" hinter mir. Ich sehe im Rückspiegel, wie er stoppt - seine Kette ist von dem Kranz gesprungen. Nichts Schlimmes. Jan, das habe ich bemerkt, schaltet gern unter Last, was besonders viel Spannung auf das ganze Kette-Schalt-System legt. Dann sind Kettenabsprünge fast schon vorprogrammiert - vor allem am Berg.
Er hält an, friemelt die Kette wieder aufs Blatt und freut sich über Schmierfett an den Fingern. Ich mache jetzt lieber keine Witze, denke ich mir, und versuche, mit ihm das Lichtspiel der langsam einsetzenden Dämmerung zu genießen.

Oben auf dem Berg angekommen halten wir kurz an einem Flugplatz - dem von Ängelholm - denn dort steht was von Hotel. Da das ganze eher wie eine Kaserne und dazu noch geschlossen aussieht, fahren wir weiter. Das Hotel heißt "Valhalla", aber wenn es hier sein soll, wo die gefallenen Germanen in Saus und Braus leben ... strample ich mich lieber noch eine Weile ab. Als wir abfahren, dröhnt langsam und beeindruckend eine Boeing zum Landeanflug über uns hinweg.

Wir rauschen eine Abfahrt hinunter, da sehe ich ein Schild, auf dem "Vandrerheim" steht - Wandererheim, also Bed&Breakfast. Ich winke und biege spontan ab. Dies ist nicht unser Ziel aber wenn hier in der Nähe schon eine schnieke Pension ist - ich kann meinen Kumpel nicht leiden sehen.

Wir finden uns auf einer verlassenen Straße wieder, fahren eine lang gezogene Abfahrt hinab und etwa 5 Kilometer später ist ... nichts zu sehen vom Vandrerheim. Ich bin sauer. Auf mich selbst.
Wir halten an und Jan fragt den Navigationsklaus, wo wir sind und wo wir hinfahren. Wir befinden uns wohl auf dem Weg nach Vejibystrand. Das iPhone meldet das Vorhandensein eines Hotels. Wo wir schon einmal hier sind ... denken wir und fahren halt weiter. Immerhin steht die Sonne schon beachtlich tief und umkehren ist keine so gute Idee, denn dadurch würde sich die Distanz nach Bostad wegen meines kleinen Vanderheim-Abstechers nochmals vergrößert haben.

Wenig später, es wird schon merklich dunkler, radeln wir in Vejibystrand ein. Ein schicker kleiner Ort, im Hochsommer sicherlich von Touristen bevölkert - jetzt, zur Off-Season, menschenleer. Zwei, drei Autos sehen wir. Das war es.
Bevor es zum Hotel geht - wir sind noch guter Dinge - möchte ich runter zum Strand. Wir lassen unsere Räder also den Abhang hinab rollen und kommen genau am Ufer zum Stehen.

Es ist eine kleine betonierte Mole, eine Handvoll Fischerboote dümpelt im Sonnenuntergang vor sich hin, fünf Jugendliche haben sich an einer Bank getroffen und zwei Möwen berichten lauthals von dem, was draußen auf See stattfindet. Erst Zartrosa, dann kräftig rot geht vor mir die Sonne in der Ostsee unter - ich rolle an die großen Wellenbrecher und atme einige Minuten diese Stimmung ein.
Es ist einfach nur herrlich.

Jans Navigationsklaus findet den Weg zum Hotel, ein netter Mann, den wir zur Sicherheit fragen, bestätigt den Kurs. Es benötigt nur wenige Kurbelumdrehungen und wir stehen vor einem dreigeschossigen Haus. Licht brennt - ein gutes Zeichen.
Wir steigen ab, wollen die Tür öffnen. Nichts geht. Wir läuten. Dann warten. Nichts geschieht. Wir klingeln noch einmal. Wieder ohne Erfolg. Jan ruft eine Nummer an, die auf einem handgeschriebenen Zettel steht. Ich weiß nicht, ob da jetzt innen das Telefon der nichtbesetzten Rezeption geht, aber es geht auch hier keiner ran.
Dann rollen wir einige hundert Meter zurück, denn wir haben in einem der vorgelagerten Häuser Menschen gesehen. Jan fragt sie, ob das Hotel geschlossen sei.
"Nein, nein" meint einer der Männer, es habe offen, es sei nur abgeschlossen. Er steht auf, nimmt einen Schlüssel und öffnet uns die Tür. dann geht er und lässt uns allein.
Wir bedanken uns und treten ein.

Gespenstische Ruhe. Kein Laut ist zu hören. Bate´s Motel - muss ich sofort denken, hier könnte man perfekte Horrorfilme drehen. Zwar brennen die Lampen, aber es sind keine Menschen im Gebäude. Auf dem Tresen der Rezeption klebt wiederum ein Zettel - in Schwedisch - und wir wissen nicht, was er bedeuten soll.
Wir laufen durch ein paar Gänge, rufen immer wieder "Hello? Anybody here?" aber es antwortet niemand. Etwas mulmig ist mir schon. Aber was soll es? Hierbeiben über Nacht, uns quasi selbst einweisen in das Gespensterhotel, kommt nicht infrage. Anrufen hat auch nix gebracht.
"Lass uns weiter fahren." sage ich in sein Gesicht.
Es sieht gequält aus.

Er tut mir Leid. Zumal wir wegen mir und meiner Vandrerheim-Abbiegungsaktion nun hier gelandet sind. Mittlerweile, da bin ich mir sicher, wären wir schon längst in Bostad angekommen. Aber nein, nun stehen wir hier, im verlassenen Horror-Hotel von Vejibystrand.

Widerwillig und ächzend schiebt er sich auf sein Rad, wir stellen die Leuchtmittel auf "on" - die Sonne ist mittlerweile fast untergegangen. Es wird also wieder eine Nachtfahrt werden. Wir diskutieren noch kurz, ob wir nicht den sicheren Weg zurück nach Ängelholm nehmen sollen, aber auch für Jan kommt eine Rückfahrt nicht infrage. Also auf, vorwärts nach Bostad!

Vor uns liegen, das kann ich in der einsetzenden Nach erkennen, ein paar Hügel, die wir auch sogleich zu spüren bekommen. Sanft ansteigend zwar, aber nach 110 km doch durchaus auch in den geschundenen Waden spürbar, schrauben wir uns einen nach dem anderen hoch. Das schöne hier draußen ist, dass eigentlich keine Autos mehr unterwegs sind. Auf der Karte schaue ich es mir an: Wir fahren auf einer Art Landzunge, an der alle großen Straßen - unsere E-Straße und die große Fernverkehrsstraße, die wir die ganze Zeit benutzten, zielgerichtet vorbeiführen.

Es geht durch schnieke kleine Orte, später durch den Hauptort Västa Karup. Und dann, dann setzt leichter Nieselregen ein. Ach schön, denke ich. Das hat ja noch gefehlt.
Es sind nur wenige Tropfen, fein zerstäubt, aber sie und die nicht mehr vorhandene Sonne reichen, um uns frösteln zu lassen. Lange Klamotten werden angezogen, wir geben Gas. Nach Västa Karup befinden wir uns nun wieder auf der großen "B"-Straße, wie ich sie nennen würde. Nur sporadisch überholt uns ein Fahrzeug, wir haben den perfekten Asphalt für uns allein.

Dann kommt der erste echte Anstieg. Er wird eingeläutet von einer Brücke, die wir noch schnellen Fußes unterfahren, dahinter drehen wir unsere Köpfe nur nach oben - folgen dem Straßenverlauf: Es geht aufwärts - und wie!
Eine lang lang lang gezogene Rechtskurve ist es. Fies im Anstieg, nicht übermäßig, dass man gleich verzweifelt wäre, nein, genau an der Grenze zwischen "geht noch" und "ach du Scheiße!".
Jan vor mir hat einen Antritt wie ein Weltmeister. Ruhig und kraftvoll stoßen seine Waden die Pedale nach unten. Wo ich einige Gänge herunter schalten muss, um vorwärts zu kommen, zieht er ab. Ruhig, gleichmäßig und mit erstaunlichen Leistungsreserven schiebt er sein Bianchi den dunklen Berg hoch. Ich staune - und muss reintreten, um nicht zurück zu fallen.
Eine Viertelstunde harter Arbeit später haben wir die Steigung gemeistert. Wir schwitzen, sind außer Atem, aber wir halten nicht an, treten weiter rein.

Die Straße windet sich zum Horizont hin, laut Karte, die ich schnell unter einer funzeligen Straßenlaterne einsehe, müssen wir noch 3 Dörfer passieren, eh wir in Bostad ankommen. 15 km schätze ich. Ein Katzensprung - selbst, wenn man fertig ist und im kalten Niesel fahren muss.

Es überholt uns ein Auto.
Wir durchqueren das erste Dorf.
Monoton, in Gedanken schon unter der wohlverdienten Dusche, treten wir in die Kurbel, gemäßigt unsere Konversation, verhalten die Witze, die wir reißen, um uns gegenseitig zu motivieren.
Wir passieren das zweite Dorf. Und tauchen wieder ein in die Nacht, die nur spärlich erhellt wird von unseren Funzeln. Und dann ragt er auf, drohend, vor uns.
Jan sieht ihn als erstes - den Berg.
Den Teufelsberg.
Kategorie S.
S wie "Scheiße!"

Es geht scheinbar vertikal nach oben. Ein Anstieg epischen Ausmaßes. Eine Wand, die zu erklimmen wir verdammt sind. Fies glänzt der Seitenstreifen, vor mir nur das nasse Grau des Asphalts, auf meiner Brille kann ich zwischen den Wassertropfen Jan erkennen, der wieder in die
Pedale tritt, aber anders als beim letzten Anstieg extreme Kräfte aufwänden muss, um diesen hier zu meistern.
Wir stöhnen und ächzen.
Im kleinsten Gang kurbeln wir uns nach oben. Ich setze mir Ziele, kleine Markierungen unterwegs, an denen ich mich emporhangeln werde.
Da, der Zaunspfahl in 20 Meter Entfernung, dann der Busch 20 Meter weiter und da hinten, da, ganz oben, wenn ich diesen Baum, den ich nurmehr als Schatten wahrnehme, erreicht habe, dann habe ich die Hälfte geschafft.
Es sind 20 Minuten, vielleicht 30, die wir unter Schmerzen unsere Maschinen die Steigung hinaufprügeln. Es ist heißer Schweiß, der sich unter dem kalten Stoff meines Trikots sammelt. Es sind Seitenstechen und Muskelmüdigkeit, die mich quälen.

Aber wir ziehen uns hoch. Beide, gegenseitig. Mal ein dummer Spruch hier, mal eine zynische Bemerkung da - so lächeln wir den Schmerz hinweg, vergessen beim Lachen die Qual der Meter, die wir zurücklegen und motivieren uns so, nicht aufzugeben, nicht abzusteigen.
Irgendwann, wirklich ab der Hälfte, zählen wir auch nicht mehr die Meter. Wir beißen nur noch unsere Zähne zusammen und schrauben uns kraftvoll die Steigung empor. Bei jedem Antritt sinkt meine Gabel vorn ein, die schiere Kraft, die das Blatt auf den Asphalt bringt, lässt das Federbein stauchen.

Als ich oben ankomme, wartet Jan schon. Ich steige ab, rufe völlig außer Atem und wütend ob des Berges kurz vor Feierabend etwas Unflätiges in die dunkle Natur und ziehe kräftig den letzten Rest kühler Apfelsaftschorle aus meiner Trinkflasche.
Wir haben es geschafft!

Wir blicken zurück, starren in den dunklen Abgrund und sehen entfernt die Lichter von Vejibystrand und die beiden Dörfer in Dunkelheit liegen.
Ich mache noch ein Foto und bevor wir wieder auskühlen, setzen wir auf und fahren los - Zeit wird es, endlich unter eine heiße Dusche und in ein weiches Bett zu kommen.

Doch vorher - vorher steht der Lohn aller Bergziegen.
Die Abfahrt.

Ich merke, wie es auf ein Mal abwärts geht. Ich drehe meinen Kopf zu Jan, sage nur noch "Juchu!" und beschleunige. Kraft dazu habe ich zwar nicht mehr, aber ich habe Lust und genug Wut im Bauch. Jetzt ist dies genau das Richtige, rasant diesen Teufelsberg hinabzustoßen. Und dabei ist es mir auch egal, ob meine Lampe die Fahrbahn alles andere als gut ausleuchtet, mir ist es egal, dass der Asphalt vom Regen gefährlich nass und rutschig ist und der Fakt, dass diese nagelneue Straße ab Bergkamm auch keine Fahrbahnmarkierung mehr besitzt, stört mich auch nicht.

Ich rase durch die Nacht. Kalter Wind knallt mir um die Ohren, Regentropfen so scharf wie Splitter prallen an meiner kalten Gesichtshaut ab, ich lege mich in Kurven, wo ich hätte bremsen sollen, hoffe darauf, dass hinter ihnen keine Schlaglöcher oder Elche sind, schieße wie ein Wahnsinniger diese Abfahrt hinab und erst eine geschlossene Eisenbahnschranke kann mich zu einem Bremsmanöver bewegen.

Ich komme unten an - die Fahrt hat keine 5 Minuten gedauert - schaue auf meinen Bike-Computer und der zeigt 66,2 km/h Spitze an.
Für einen Blindflug auf regennasser Fahrbahn ganz ordentlich, entscheide ich und stoße einen Jubelschrei aus.

Dann trudelt auch Jan ein, der es vorsichtiger hat angehen lassen - dabei aber nicht minder Spaß gehabt zu haben schien.

Endlich rollen wir in Bostad ein. Es ist 21 Uhr. Auf dem Tacho stehen 130 Kilometer. Eine freundliche Dame an der Tanke rät uns, im "Enehall" einzukehren, was wir auch tun. Hier bekommen wir von einer ebenfalls freundlichen Dame das schönste Hotelzimmer der ganzen Reise: Es ist groß, frisch renoviert und geschmackvoll eingerichtet. Ein geräumiges Bad, ein großer Fernseher und eine sehr gepflegte Atmosphäre lassen uns gleich zu Hause fühlen.

Und etwas deplatziert: Zwei stinkende Typen in schweißnassen Radklamotten vor cremefarbiger Tapete mit Silberintarsien. Dazu Jugendstilmöbel, auf denen alsbald bunte Trikots liegen, brachiale Rennmaschinen stehen auf feinem Laminat.
Kontrastprogramm.

Was folgt ist unser altes Ritual - wir duschen und machen uns auf den Weg, etwas zu Essen zu finden. Um diese Zeit bleibt uns leider nur die Tanke. Die freundliche Frau hat noch immer Schicht, freut sich, uns zu sehen und macht uns zwei Hot-Dogs. Fertigsalate aus dem Kühlregal und eine Dose Bier runden das Abendmahl ab. Wir essen und spazieren am süßen kleinen Hafen entlang, der um diese Stunde einen ganz besonderen Charme versprüht, wir genießen die Ruhe, ich friere, aber bin glücklich.

Dann freue ich mich nur noch auf mein Bett.
Mein sauberes, weiches, weißes Bett.
In das ich mich wenig später fallen lassen und meinen Standardtraum träumen kann: Den vom Frühstücksbüffet, das ich morgen plündern werde.

Gefahren: 133,72 km in 6 h 22 min und 20,95 km/h Schnitt


Auch schön: Die Speedmachine im Backofen Europas. Portugal per Liegerad