Tag 2 "Im Tele-Tubbie-Land"


Maribo - Vordingborg - Faxe - Prästö - Köge - Kopenhagen


Ich wache auf - sanft. Sanfter, als ich es mir gestern noch erhofft hatte, nachdem Jan neben mir eine wahre Dezibelhölle männlicher Schnarchgeräusche abgelassen hat. Aber wundersamerweise hat mich weder sein flatterndes Gaumensegel noch die stark befahrene Autobahn hinter dem geöffneten Fenster um einen angenehmen Traum bringen können. Ich schaue herüber - Jan schläft noch fest, leise diesmal. Mein Handy sagt mir, dass es um 8 Uhr sei: Perfekte Aufstehzeit.

Jan sieht das natürlich anders. Und ich kann nur mein Bedauern äußern, muss aber insistieren: Dies war von Anfang an nicht als Urlaubstrip á la Ausschlafen und Partymachen geplant. Dies hier soll Sport sein. Und Sport tut eben auch manchmal weh. Gerade morgens.

Im Traum hatte mein Unterbewusstsein das wegen des nur allzu dürftig (und geradezu sündhaft ungesunden) "Abendessens" von gestern wegen eine Vorfreude auf das heutige Frühstücksbüffet wachsen lassen, sodass ich die Morgentoilette schnell hinter mich bringe, mir die Radklamotten anziehe und nicht auf Jan, der etwas widerwillig und murrig in die Gänge kommt, warten will: Ich schieße schon mal hinab in den Frühstücksraum.

Was das Hotel E4 da aufgetafelt hatte, lockte zwar keine Begeisterungsschreie hervor, vermag mich aber wohl in Hochstimmung zu versetzen: Heißer, frischer Kaffee am Morgen ist eine Wohltat! Dazu frische Vollkornbrötchen (sonst in Hotels außerhalb Deutschlands eher Mangelware), zwei, drei Wurst- und Käsesorten und - das finde ich klasse - eine Müsliauswahl, die sich durchaus sehen lassen kann.
Ich haue rein. Lange zu.
Auch Jan trudelt ein und lässt es sich schmecken.

Am Nachbartisch füttern zwei entspannte Deutsche ihren Nachwuchs. Der Junge schaut mich an, als wäre ich Taucher oder Astronaut: Ungewöhnlich ist das schon, das gebe ich zu, in den engen Arbeitsklamotten des Radfahrers die Schlimme-Augen-Wurst vom Büfett zu angeln. Aber was solls?

Wir speisen eine genüssliche Dreiviertelstunde und gehen zurück aufs Zimmer. Jans Hinterrad, das gestern Abend kurz nach dem Einchecken noch platt gemacht hatte, muss ja geflickt werden. Jan beschließt, in Kopenhagen gleich ganz neue Mäntel zu kaufen. Sein Bianchi hatte er gebraucht gekauft und so sehen die Pneus auch aus. Um sicher zu gehen, dass uns so ein Malheur nicht vielleicht noch in der schwedischen Wildniss passiert, will er den Totalaustausch.

Die freie Zeit durch das Flicken nutze ich, und beschaue mir meine Reifen: Die Marathon Racer sind nun auch schon knappe 5.000 km gelaufen (in Portugal hatte ich nagelneue Schwalbe-Pneus mit mehr Profil drauf, die ich aber wieder gegen die Straßenreifen eingetauscht habe für diese Tour) und ich frage mich, wie sie aussehen.

Und bin geschockt: Mithilfe einer Nagelschere hole ich teilweise 3 bis 4 mm lange, wie kleine Haizähne anmutende Steine aus meinen Gummis. Die Teile stecken bis zum Anschlag in der Karkasse, hinterlassen mitunter einen halben Zentimeter breite klaffende Wunden im Mantel. Und immer wieder ziehe ich diese weißen, fiesen Steinnadeln heraus.
Ist das ein Sammelsurium der fünftausend Kilometer oder die Ernte von 30 km auf dänischen Straßen? Denn sowas habe ich in Deutschland noch nie gesehen ...

Ich prüfe den Druck - meine Reifen sind dicht. Gottseidank. Flicken ödet mich an.

Endlich ist auch Jan fertig, das Rad ist eingebaut und zentriert, seine Hände sind gewaschen, die Flaschen am Büffet aufgefüllt - es kann losgehen. Wir fahren auf die kleine Straße, die wir uns gestern im einsetzenden Regen blind durch die Nacht entlang getastet hatten. Die Nässe ist fast komplett weggetrocknet und so können wir in die dänische Morgenfrische starten. Es fängt gut an, wir kommen flott voran.
Aber immer wieder schaue ich auf Jans Reifen - liegen sie nicht doch tiefer? Verliert er nicht wieder Luft. Nein? Doch - da! Nein, war wohl nix.
Lochparanoia.
Sie wird mich noch einige hundert Kilometer begleiten.

Vor uns liegt eine flache Landschaft ohne visuelle Hindernisse. Es ist sattgrün auf den Feldern neben uns und es scheint mir, als trauten sich hier selbst die Pflanzen nicht, hoch zu wachsen. Alles ist niedrig, kaum ein Haus, das zwei Stockwerke oder gar mehr hätte.
Die Straße zieht sich sich konsequent nach Norden, manchmal über Kilometer hinweg ohne eine Kurve. Sanft steigt sie dann und wann an, um über einen der kleinen Hügel zu führen - aber selbst hier ist die Steigung kaum zu spüren. Berge, das scheint mir, sind in Dänemark per Gesetz verboten.

Über uns ziehen wenige Wolken weiß und unschuldig daher. Die Sonne scheint wieder, als sei noch Juli und ich freue mich, dass der Wahnsinnswind von gestern sich auch heute wieder unserer Hintern annimmt, sie fest hält und kräftig anschiebt. Wir schätzen, dass wir gute 3 bis 4 km/h schneller sind, weil wir diesen Rückenwind haben. Uns freut es, und so können wir wieder mal nebeneinander, mal im Mini-Tross hinter einander mit schnellen 30 bis 32 km/h durch die Landschaft nach Norden fliegen.

Die dänische Hauptstadt ist unser Ziel heute. Kopenhagen. Laut Karte und Google Maps runde 130 km von Maribo entfernt. Aber nachdem wir gestern knappe 180 km bei geplanten 150 gefahren sind, bin ich mir nicht so sicher, ob wir diese Marke nicht auch wieder überbieten werden. Jan über mir fängt denn dann auch schon an, sich zu beschweren über ein schmerzendes Sitzfleisch und seine zunehmenden Probleme, eine angenehme Sitzposition zu finden. Aber kein Wunder: Auf diesem schmalen, harten Sattel hätte jeder Probleme. Und das dann über 180 km und nun mehrere Tage durchhalten zu müssen ... nein, das wäre auch nicht mein Ding. Aber was hilft es? Da muss er nun durch.

Ich komme mir ein wenig lächerlich vor, wie ich versuche, mich mit ihm über Schmerzen und Schwierigkeiten zu unterhalten: Liege ich doch entspannt wie eh in meinem genau an meine Wirbelsäule angepassten Body-Link-Sitz, habe weder Beschwerden im Po, noch an den Handgelenken oder im Nacken. Mir geht es einfach nur gut, ich genieße die Sonne in meinem Gesicht, die süßen dänischen Häuser mit ihren dänischen Flaggen und dänischen Schäfchen im dänischen Garten und kann Jan nur bedauern. Aber das sage ich ihm nicht. Statt dessen sage ich Dinge wie: "Mein rechtes Knie tut weh."
Was durchaus stimmt. Aber sicher kein Vergleich zu seinen Strapazen ist.

Wir erreichen nach gut zweieinhalb Stunden schneller Fahrt das Ende von Falster, der kleinen nördlichen Schwesterinsel von Lolland, die wir gerade überquert haben. Gegenüber ist die Insel Sjaelland - oder Seeland - wir überqueren die Ostsee, die sich hier in einem engen Sund zwischen den Inseln hindurch quetscht, auf einer etwa 2 km langen Brücke, an deren Ende die Stadt Vordingborg liegt.
Die Brücke sieht aus, als habe man sie irgendwo in Russland ab und hier wieder 1:1 aufgebaut: Rost an allen Ecken und enden, teilweise klaffen zentimeterdicke Spalten zwischen den Betonplatten, das Geländer scheint seit Jahrzehnten von salzhaltiger Luft angefressen zu sein. In wenigen Jahren, denke ich spontan, wird hiervon nichts mehr übrig sein. Aber das kann uns nicht abhalten. Mit etwas verminderter Geschwindigkeit reiten wir über die Betonstöße, links von mir die offene See, ein paar Yachten dümpeln in fein gekräuseltem Blauwasser, rechts die moderne Hochbrücke am Horizont - unsere vertraute E47, die uns die ganze Tour bis Göteborg hindurch begleiten wird. Davor kann ich die flache Insel Bogö ausmachen, aber sie ist so flach, dass ich sie nur mit Mühe erspähen kann, dainter liegt Mön, aber die kann ich schon gar nicht ausmachen.

Jan hinter mir freut sich alle 10 Meter lautstark über jede neue Betonspalte, über die sein steifes Gefährt holpert. Ich bin vollgefedert - aber mir macht es dadurch nicht viel mehr Spaß.

Hinter der Brücke umrunden wir einen - OHO! - kleinen Berg und finden uns im erwachenden Vordingborg wieder. Ich habe in meinem Dänemarkführer über diese Stadt gelesen, dass es hier eine um 1100 vom damaligen König Valdemar angelegte Burg gibt. Eine eintausendjährige, vielleicht schon ältere Geschichte. Manchmal vergesse bei all der Zuckersüße und Aufgeräumtheit dieses Landes, dass hier früher Horden von harten Wikingern sich gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben.

Und so macht es dann auch durchaus Sinn, das Mittagessen standesgemäß im Hotel "Kung Valdemar" einzunehmen - freilich erst nachdem wir erfolglos durch die schöne Fußgängerpasage und den Hafen geirrt waren.

Uns erwartet ein wirklich königliches Büffet mit einem riesigen Lachs, einem Berg Krabben, allerlei kalter Braten, Würsten und Salaten, Früchten und Backwaren - und das alles zu einem angenehmen Preis, was am meisten überrascht. Was es allerdings noch angenehmer macht, ist die Bedienung: Eine wirklich schicke junge Dame mit einem so traumhaften Lächeln, dass ich versuche, nicht als antrainierte Serviceprofessionalität, sondern als echte Eigenschaft dieser hübschen Frau zu sehen.
Ich nutze jede Gelegenheit, sie an unseren Tisch rufen zu können - fast möchte ich die Kaffees und Säfte für Jan und mich einzeln bestellen, nur um noch einen Blick in ihre Augen und auf ihr Lächeln erhaschen zu können.
Man wird ja noch träumen dürfen ...

Back on Track setzen wir unsere Fahrt fort. Wir fahren zunächst auf einem Radweg an einer großen Fernverkehrsstraße, der wenig Spaß macht. Spätestens als wir an einem Chemiewerk vorbei müssen plädiert Jan dafür, die Küstenstraße über Prästö, Faxe und Köge zu suchen. Dass dies ein Umweg wird, ist ihm klar. Mir soll es Recht sein.

Und so biegen wir mit Generalkurs Nord zunächst nach Osten ab, um die Stevns genannte Ausbuchtung von Sjaelland zu umrunden. In Prästö steht diese Kursänderung an. Hier fahren wir auf Meeresniveau - die Ostsee kann ich wenige Meter neben mir in Augehöhe erkennen. Wir umrunden eine schnieke Bucht, überholen zwei Radtouristen, die an dem langgezogenen - aber wenig beeindruckenden - Anstieg ihre Probleme haben und schießen durch die gepflegte dänische Landschaft dahin.

Später erreichen wir Faxe - ich erinnere mich an diese riesigen 1-Liter-Bierdosen, die mein Vater früher so gern als Höhepukt einer arbeitsreichen Woche beim Fernsehabend trank. Hier wird es also gebraut, hier, in dieser grünen, flachen, süßen Landschaft, denke ich noch so und bin froh, dass mich ein Schild der anscheinend sehr umsichtigen Verkehrsplaner Dänemarks vor fatalen Frontalzusammenstößen mit anderen Radfahrern warnt ... diese Dänen ...

Ich muss sagen, dass die Radwegeführung bisher vorbildlich ist - die Wege sind sauber, glatt und der Belag von ebensolch hoher Qualität wie der Belag für die Autos ebenan. In Ortschaften werden Räder nur selten auf die Gehwege gezwungen, wo sich zwangsläufig an unangenehm holperiges Auf und Ab an Straßeneinbiegungen ergibt, sondern ihnen eine komfortable Bahn auf der Straße zugewiesen. Da können sich unsere Straßenbauverantwortlichen mal eine gehörige Scheibe abschneiden.
Dänische Autofahrer sind defensiv, umsichtig und geduldig. Keiner hupt, wenn wir doch einmal auf der Straße fahren müssen und so bei Gegenverkehr die Autos ausbremsen. Hier spätestens hätten deutsche Autofahrer und Radwegnazis wahre Huporgien veranstaltet.

Als wir Faxe hinter uns haben und langsam wieder nach Norden Richtung Köge einbiegen, wird es hügeliger. Und heißer. Ich bereue mein loses Mundwerk und fühle mich an Portugal erinnert, wenn wir uns wieder einer neuen Steigung gegenüber sehen: Diese sind zwar nicht lang, meist nur wenige hundert Meter, dafür verlangen sie uns mitunter Respekt ab. Nicht selten geht es in sehr kleinen Gängen diese fiesen Hügelchen hinauf.

Hinter einem der Berge fahren wir in ein Wäldchen ein, dessen feuchte, erfrischend würzige Luft fast wie ein Schock nach all der Hitze und dem kleinteiligen Hoch-und-Runter-Geholper wirkt. Eine lang gezogene Abfahrt beschleunigt ohne Muskelkraft zu fordern, ich genieße es, lehne mich in den Sitz und freue mich über der Licht-und-Schattenspiel der Sonnenstrahlen, die durch das dichte Blätterdach auf meine Sonnenbrille fallen.

Hinter dem Wald liegt das Teletubbieland.
Oder wie Jan es treffend formuliert: Wir fahren durch die Default-Benutzeroberfläche von Windows.

Hügel wie gemalt. Selbst hier draußen, außerhalb jeglicher Ortschaften ist das Gras in den Straßengräben gemäht. Frisch und fein - wie auf einer perfekten Eisenbahnplatte.

Wir erreichen am Nachmittag Köge und gönnen uns eine kleine Pause. Ein pitturesker Hafen mit einem großen Marktplatz, der eingesäumt ist von Kaffees und voll besetzten Terassen bildet das Zentrum dieses Örtchens. Am Kai liegt vertäut ein für diese süßen Verhältnisse nach meinem Geschmack etwas zu großes Schiff, an dessem Bug es wir uns für einen kleinen Drink gemütlich machen. Es ist nicht mehr weit - 20, 30 Kilometer höchstens, schätze ich.
Jans Navigationsklaus bestätigt dies.

Hinter der Stadt rächt sich die Trinkpause und wir halten in einem Wäldchen zur unvermeindlichen Pinkelpause an. Jan nutzt den Stopp um einen Tipp, den er aus dem Rennradforum bezüglich brennender Ärsche auf Langstrecken gelesen hat, auszuprobieren - Eine zünftige Bepanthen-Eincremung soll jetzt Schlimmste heilen.
Wir werden sehen ...

Wir tauchen ein in die urbane Umgebung von Kopenhagen - gerade dieser Küstenabschnitt ist dicht besiedelt. Abrupt hört die Windows-Umgebung auf und wir finden uns in der menschlichen Zivilisation wieder. Allenthalben säumen die wiederum süßen, natürlich meist roten, dänischen Holzvillen unseren Weg, wieder sind diese selten höher als 2 Geschosse. Auch nicht die Restaurants, Eiskaffees und kleinen Pensionen. Viele Strandbäder reihen sich an einander und ich freue mich über einen fast 5 Meter breiten, von der Auto-Fahrbahn getrennten Radweg von höchster Güte.

In Solröd halten wir wieder an, denn ich kann dem extrem salzigen Geruch des Meeres, das nur wenige hundert Meter zwischen der wegen der Nähe zu Kopenhagen nun doch sehr stark befahrenen Küstenstraße und der Häuserzeile brandet, nicht länger widerstehen. Wir lenken unsere Räder an den nächsten Strand und steigen ab. Jan stöhnt, findet kaum noch Kraft, sein Bianchi an einen Laternenpfahl zu lehnen und legt es einfach ins Gras ab. Er tut mir wieder ein bisschen Leid, als er sich ächzend die Klickschuhe auszieht und seine dampfenden Füße atmen lässt. Aber ein Grinsen kann ich mir trotzdem nicht unterdrücken.

Wir steigen die nicht sehr DIN-gerechte Holztreppe der Düne hinab und vor uns liegt eine schöne Ostsee in feinster goldener Nachmittagssonne. Die frische Brise weht mir salzig bis in die letzte Bronchie meiner Lunge und ich freue mich einfach nur.

Freue mich, hier zu sein.
Freue mich, das genießen zu können.
Bin im Urlaub - das merke ich jetzt.

Ich fange an, mich zu erholen.

Da hinten, da, in vielleicht 15 oder 20 km Entfernung, da muss schon Kopenhagen sein - in Reichweite. Wir sind fast da! - Motiviere ich uns, als wir nach einer Viertelstunde wieder die Räder besteigen und uns in den Feierabendverkehr, der freilich unberührt neben uns abläuft, stürzen, die dänische Hauptstadt zu erobern.

Es fängt leicht an zu dämmern, als wir endlich die unvermeidlichen Industrie- und Einkaufsgebiete des Stadtgürtels passiert haben und eine lange Gerade an moderner Architektur vorbei Richtung Zetrum hinabfahren.

Ich freue mich, wieder hier zu sein - habe diese Stadt seit 3 Jahren nicht mehr gesehen, kann mich aber noch an so viel Schönes erinnern. Weshalb ich auch immer zur Eile gedrängt hatte, denn ich möchte mit Jan noch einiges davon sehen heute Abend - morgen früh schon werden wir (hoffentlich) in Schweden sein.

Vorbei an massenaft geparkten (und kaum als "gesichert" geltenden) Fahrrädern rollen wir schnurstracks durch die Stadt und finden wundersamerweise auch sofort unser Hotel. Eine Schnäppchenbuchung aus dem Internet. Das "CabInn".
Der Name wird Programm sein.

Der Check-in geht schnell und äußerst freundlich von statten. Der junge Mann verrät mir, dass die dänische Königen gleich im Tivoli ein Open Air eröffnen wird - ich halte es zunächst für ein Open Air-Konzert von Queen, das er mir da auf Englisch schmackhaft machen will, als ich mich daran erinnere, dass Dänemark ja eine konstitutionelle Monarchie sei.

Wir beziehen unser Zimmer im dritten Stock. Zimmer. Ist übertrieben. In "CabInn" steckt schon das Wort Kabine. Und die meinen das ernst hier: Die unsere ist kaum 2 Meter breit und 4 Meter tief. Alles in angenehmem Mausgrau und modernen Türkis gehalten, glänzt dieses Plastikmonstrum mit nüchternster Zweckmäßigkeit, die eher an eine konsumkritische Kunstinstallation erinnert, denn an ein Hotelzimmer.

Irgendwie schafft Jan es, sein Rennrad auf den 15 cm breiten Balkon zu manövrieren, sodass nur noch mein Liegerad - an die Wand gezwängt - das Durchkommen im Zimmer erschwert. Da ich der wieselflinke von uns beiden bin, darf ich das obere Schlafbett haben. Ich freue mich, während Jan die etwa zwei Quadratmeter Nasszelle bevölkert, um den Schweiß der letzten 157 km abzuduschen.

"Free Coffee & Tea" stand bei der Buchung auf der Website. Und tatsächlich: 4 Plastikbecher, 4 Päckchen Instantkaffee und Teebeutel sowie ein Miniaturwasserkocher stehen bereit. Als Teil dieser Kunstinstallation ein interessantes Detail, entscheide ich und brühe uns beiden dieses als Einleitung der Abendvergnügung auf.

Und das Vergnügen beginnt eine halbe Stunde später - frisch geduscht stürzen wir uns ins Nachtleben. Wir bummeln an Tivoli und Rathaus vorbei in die große Einkaufsmeile, die noch von tausenden Passanten bevölkert wird.

Ich habe Hunger wie ein Großer und so suchen wir uns ein Restaurant. Jan hat Hunger auf Meeresfrüchte oder Fisch - und was liegt in einer Küstenstadt näher, als dies dann auch zu essen?
Wir sitzen ein wenig später im laut eigener Aussage "Most sympathetic Mexican-Style Restaurant of Copenhagen".
Und bestellen Pizza.
Soviel zur skandinavischen Cuisine ...

Ein 10 € Bier und eine schlechte, nicht minder teure Touripizza später bummeln wir weiter. Mittlerweile ist es dunkel und ich möchte unbedingt noch zum Nyhavn, jenes Kanals, der wie kein zweites Bild für Kopenhagen steht.

Aber wir verlaufen uns - und da es schon 22 Uhr ist beschließen wir, am Ufer zurück zum Hotel zu gehen. Freilich nicht ohne der modernen Oper einen Besuch abzustatten.

Ich klettere dann die Türklisleiter zu meiner - sehr sehr schmalen - Schlafstatt empor, lasse mich ins Bett fallen und schlafe fast augenblicklich ein. Es ist wieder das Büffet des morgendlichen Frühstücks, das mir einen angenehmen Traum bereitet, nachdem auch das heutige Abendessen - wie gestern - völlig unzureichend und unbefriedigend war. Und, was für mich als Deutschen das wahrscheinlich schlimmste ist - ich nur ein kleines Pils trinken konnte.

Wer bezahlt schon gern 10 € für 0,3 l Bier?


Gefahren: 157,13 km in 6 h 20 min und 24 km/h Schnitt


Auch schön: Die Speedmachine im Backofen Europas. Portugal per Liegerad